Polizei kündigt Schwerpunktkontrollen zum Schulstart 2019 an

Grafik: Innenministerium Land Brandenburg

Insgesamt 121 neue Grundschüler begrüßt die Gemeinde Stahnsdorf zum neuen Schuljahr 2019/2020 an ihren beiden kommunalen Grundschulen. In Vorbereitung auf den ersten Schultag veröffentlichte die Polizeidirektion West ein Interview mit Peggy Wölk, Erster Polizeihauptkommissarin und Leiterin des Führungs- und Revierdienstes in der Polizeiinspektion Brandenburg. Darin spricht sie über die Verkehrssicherheit für Schulkinder und die optimale Vorbereitung der Erstklässler auf den Schulstart.

Frau Wölk ist seit 1997 Polizistin, war vor ihrer derzeitigen Tätigkeit Wachdienstführerin am Standort Potsdam und im Anschluss als Dienstgruppenleiterin in Brandenburg an der Havel tätig.

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Frau Wölk, jedes Jahr kommen Schulanfänger, die aber auch gleichzeitig Verkehrsanfänger sind, in die Grundschulen und lernen neben Lesen und Schreiben auch das selbstständige Teilnehmen am Straßenverkehr. Was bedeutet das für die Kinder?

Wir freuen uns, dass für die vielen kleinen ABC-Schützen ein ganz spannender neuer Lebensabschnitt beginnt. Viele der Sechs- und Siebenjährigen sind gerade in den ersten Tagen noch sehr aufgeregt, da viele neue Eindrücke auf sie einströmen, die verarbeitet werden wollen. Daher ist es unsere Aufgabe, in dieser Zeit besonders auf diese Verkehrsteilnehmer acht zu geben, um die Kinder nicht zu gefährden. Daher werden wir das rücksichtsvolle und korrekte Verhalten der Fahrzeugführer vor Schulen und Horteinrichtungen verstärkt kontrollieren. 2018 mussten wir 152 Schulwegunfälle registrieren, bei denen sich 85 Kinder verletzt haben. Im Jahr 2017 war die Anzahl der Unfälle geringer, was ein Ansporn für uns ist, weiterhin dafür zu sorgen, dass besonders vor Schulen Verkehrsregeln eingehalten werden. Jedes verletzte Kind ist eins zu viel.

Wie sollten sich die erfahreneren Verkehrsteilnehmer in Anbetracht des Schulanfangs verhalten und was muss beachtet werden?

Vor vielen Kindergärten, Horteinrichtungen und Schulen gilt schon heute Tempo 30. Das ist auch mit gutem Grund so. Denn bei den Kleinen muss man immer damit rechnen, dass Verkehrsvorgänge anders oder auch gar nicht wahrgenommen werden. Was uns im Alltag nicht mehr auffällt, kann für Kinder sehr gefährlich werden, daher nehmen Sie bitte Rücksicht und fahren langsam und vorausschauend. Denken Sie daran, dass Kinder Geschwindigkeiten von Auto- aber auch Radfahrern nicht richtig einschätzen können und sich schnell durch andere "spannende" Sachen in der Umgebung ablenken lassen. Deshalb bitte ich alle Verkehrsteilnehmer um besondere Vorsicht gegenüber den Schulkindern.

Ich möchte hier noch einmal betonen, dass sich diese Bitte nicht nur auf die ersten Wochen des Schuljahres beschränkt. Fahren Sie stets und ständig vorausschauend vor Schulen, Kindergärten und Horteinrichtungen!

PHK Peggy Wölk (Foto: Polizei)

Was können Eltern tun, um ihr Kind gut auf den Schulweg vorzubereiten und es dabei zu unterstützen?

Vorbereitung ist wichtig und gibt auch Kindern viel Sicherheit und Selbstvertrauen. Daher empfehle ich, den Schulweg gemeinsam mit dem Kind festzulegen und diesen mehrmals gemeinsam abzulaufen. Kindern ist es so möglich, reale Verkehrsbedingungen für ihren täglichen Weg kennenzulernen und wichtige Verhaltensweisen und Regeln zu verinnerlichen! Die Erfahrung zeigt, dass das Aufstellen von Regeln im Straßenverkehr auch immer von kindgerechten Erklärungen begleitet werden sollte.

Bitte vergessen Sie nicht, dass Kinder ihre Eltern nachahmen. Eltern stellen somit immer ein Vorbild für kleine Kinder dar. Also sollte jeder von uns als Fußgänger auf richtiges und ordnungsgemäßes Verhalten im Straßenverkehr achten.

Wie sollte der Schulweg eines Schulanfängers aussehen?

Wenn es um den Schulweg der Kinder geht, sollte man diesen nicht aus der Erwachsenenperspektive betrachten. Denn uns ist es immer wichtig, den schnellsten Weg zu finden. Eben dies kann und muss beim Schulweg nicht unbedingt zutreffen. Denn der kürzeste Weg ist nicht immer der Sicherste!

Wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen möchten oder aufgrund des zu weiten Weges auch mit dem Auto fahren müssen, sollten Sie immer gucken, ob ihr Kind richtig angeschnallt ist und der zwingend erforderliche Kindersitz richtig befestigt wurde. Bitte vergessen Sie diese grundlegenden Regeln auch nicht auf kurzen Strecken.

Warum sollten Schulanfänger nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren?

Ich würde davon abraten, Kinder in diesem Alter allein mit dem Fahrrad zur Schule zu schicken. Grundsätzlich sollten Kinder ihr Rad erst völlig sicher im Straßenverkehr beherrschen, bevor sie allein damit zur Schule geschickt werden. Die Komplexität und die Gefahren des Straßenverkehrs können erst ab einem gewissen Alter vollständig verarbeitet werden. Meiner Meinung nach ist es ratsam, zunächst die Fahrradprüfung in der vierten Klassenstufe abzuwarten.

Für welche Gefahren im Straßenverkehr sollten Eltern ihre Kinder sensibilisieren?

Um alle Gefahren anzusprechen, würde der Platz hier nicht ausreichen. Aber es gibt natürlich die Klassiker unter den Gefahrensituationen. Wir Erwachsene nehmen solche potenziellen Gefahren, aufgrund unserer Erfahrung und Routine, gar nicht wahr, so zum Beispiel die kleinen und großen Hindernisse am Fahrbahnrand, die Kindern die Sicht auf die Straße verdecken. Ich spreche hier von Fahrzeugen, die parken oder auch mal in der zweiten Reihe abgestellt werden, wie beispielsweise Zulieferer oder Paketzusteller.

Schwierig für Kinder können aber auch Schuttcontainer, hohe Pflanzen oder Stromkästen sein. Die Aufzählung kann man natürlich endlos weiterführen. Das typische Beispiel für eine Gefahrensituation ist natürlich der Schulbus, aus dem Kinder aussteigen und dann hinter dem Schulbus auf die Straße laufen, ohne den Verkehr auf der anderen Fahrbahnseite zu beachten. Solche typischen Beispiele sollte man mit seinem Kind geduldig und sensibel durchsprechen.

Wird zum Schulanfang verstärkt vor Schulen kontrolliert?

Die Polizei wird in den kommenden Tagen und Wochen die Kontrollen vor Schulen intensivieren. Mit gezielten Angeboten, auch unter Einbeziehung der Kinder, wollen wir Auto- und Radfahrer sensibilisieren und werden dazu auch jene anhalten, die sich vorbildlich verhalten, um sie für Umsicht zu loben.

Diejenigen, die trotz klarer Beschilderung und deutlich erkennbarem Gefahrenschwerpunkt die Temporegeln nicht einhalten, werden natürlich ermahnt und wenn nötig werden hier dann auch Verwarn- oder Bußgelder erhoben.

(01.08.2019 / mit Material Polizeidirektion West des Landes Brandenburg)