Mikrometergroße Hinweisgeber

Bundesministerin Wanka und Unternehmer Fuchs (Quelle: SuperIllu)


Die ATG Sitec GmbH (ATG) ist Gewinner des Gründerpreises 2014 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in der Kategorie "Marktführer/Zukunftstechnik . Er wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Burda-Verlag vergeben. Am 9. Mai fand in Berlin die Preisverleihung statt, bei welcher Geschäftsführer Sascha Fuchs, ein ehemaliger Polizeibeamter, den Preis von Bundesministerin Prof. Dr. Johanna Wanka überreicht bekam.

Fuchs stellt derzeit mit zwei weiteren Mitarbeitern künstliche DNA her, die er an Industriebetriebe wie Amprion oder die Deutsche Bahn verkauft. Produziert wird in Stahnsdorf, die Firmenleitung sitzt in Dahlem. Hintergrund sind Buntmetalldiebstähle, die jedes Jahr in Deutschland zu millionenschweren Schäden für die betroffenen Unternehmen führen. Noch in diesem Jahr will ATG expandieren und neue Mitarbeiter einstellen. Die Firma drängt in das Betätigungsfeld der Privatkunden, das bislang noch Mitbewerber besetzt haben.


Bürgermeister Bernd Albers schaute sich kürzlich in der Berliner Dependance der Firma an, um sich einen Eindruck von der erfolgreichen Geschäftstätigkeit der ATG zu machen. "Es ist beeindruckend, mit welch scheinbar einfachen Methoden zur öffentlichen Sicherheit beigetragen werden kann. Dabei steckt hinter der Forschung und Entwicklung des Materials eine Unmenge von Arbeit, und auch ein Stück Stahnsdorf", so Albers. Die ATG arbeitet derzeit eng mit Dr. André Geßner vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung an der Universität Potsdam zusammen, um die Stabilität der milchig-trüben DNA-Flüssigkeit auch unter Einflüssen wie UV-Strahlung beständig zu halten.

Nur 0,4 Millimeter groß und damit gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind die sogenannten Mikropunkte, von denen 2 Millionen Stück auf einen Liter Flüssigkeit gemischt werden. Auf diese Punkte werden durch ein geschütztes thermoplastisches Verfahren Firmenlogos und andere Informationen aufgebracht. Sie sind ebenso wie die von der ATG beigemischte künstliche DNA nur mit Spezialgeräten unter mikroskopischer Vergrößerung sichtbar zu machen. Aus den gewonnenen Informationen können die Strafverfolgungsbehörden eindeutig feststellen, wo das entwendete Material zuvor verbaut war. "Der Schutz kritischer Infrastruktur hat einen hohen Stellenwert. Stromausfälle zum Beispiel sind fatal, nicht nur, aber auch im Bereich der Lebensmittelsicherheit", sagt ATG-Geschäftsführer Fuchs. Auch für den Brandenburgischen Zukunftspreis 2014 ist sein Unternehmen vorgeschlagen.


Bestätigung für seine Arbeit sind für Fuchs aber nicht nur offizielle Preise, sondern auch Erfolgsmeldungen der Polizei wie diese aus dem Juli 2013:

"Nach einem Diebstahl einer Telefonleitung im Juli 2013 im Bereich der Polizeiinspektion Oberhavel wurde ein Teil des Diebesgutes im Bereich der Polizeiinspektion Ostprignitz-Ruppin aufgefunden. Nach Sicherstellung und Spurenbehandlung (daktyloskopische und biologische Spuren) wurde nach künstlicher DNA gesucht. Mit dieser waren im Rahmen eines Pilotprojektes der Deutschen Telekom zahlreiche verbaute Telefonkabel versehen worden.
Die Markierung war im Jahr 2012 durch die Firma ATG Sitec aufgebracht worden. Durch Einsatz der UV-Taschenlampe und der Digitalen Mikroskopkamera konnten die Markierungsteilchen ausgelesen und dem Diebstahl in Kremmen, Linumhorster Straße (Mast 182-192) zugeordnet werden. Nach Angaben des Landesprojektleiters handelt es sich um den ersten bekannten KDNA-Treffer im Land Brandenburg."