Klarheit in Sachen Beethovenwäldchen

Bürgermeister Albers mit BI-Sprecherin Engelmann-Hübner


(24.04.2014/rei) Der Grünordnungsplan (GOP) "Beethovenwäldchen" aus dem Jahr 2009 ist rechtskräftig. Das bekräftigte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) jüngst mit seinem Urteil im Rahmen der Verhandlung einer Normenkontrollklage mehrerer Grundstückseigentümer gegen die Gemeinde Stahnsdorf. Sie wies einen Antrag von Waldbesitzern zurück, die sich gegen den Plan gewehrt hatten. Das Urteilsschreiben mit Begründung ging der Gemeinde kurz vor Ostern zu. Das Rechtsmittel der Revision wird nicht zugelassen, somit ist das Urteil rechtskräftig.

Gericht lobt grundstücksbezogene Abwägung des Planwerks

Damit kann der GOP umgesetzt werden. Er sieht vor, das 15.000 Quadratmeter große Beethovenwäldchen in einen Laubmischwald umzuwandeln. Bislang stehen dort vor allem Kiefern, die teils bis zu 110 Jahren alt sind. "Das Gericht hat besonders positiv gewürdigt, dass die Gemeinde eine grundstücksbezogene Abwägung der Interessen vorgenommen hat, was ziemlich selten vorkommt. Das bedeutet, dass jedes der 16 betreffenden Grundstücke einzeln in seinem Verhältnis zum öffentlichen Interesse abgewogen wurde", sagt Ronald Radtke, Fachanwalt für Verwaltungsrecht. Radtke vertrat die Interessen der Gemeinde Stahnsdorf vor dem OVG.
Grünordnungspläne sind eine Besonderheit im Land Brandenburg. Mit ihnen können Flächen aus naturschutzfachlichen Gründen unter Schutz gestellt werden. "Meines Wissens nach ist das der erste Fall im Kreis Potsdam-Mittelmark, in dem ein solcher Plan umgesetzt wurde", sagt Rechtsanwalt Radtke.

Bürgerinitiative will auf Eigentümer zugehen

Für die Bürgerinitiative Beethovenwäldchen (BIB), die sich um die Unter-Schutz-Stellung des Waldstücks bemüht hatte, endet mit dem Urteil ein jahrelanger Interessenskonflikt mit den Waldeigentümern. BIB-Sprecherin Britta Engelmann-Hübner erinnert daran, dass 2009 Bäume gefällt wurden - nur einen Tag vor dem Beschluss des GOP durch die Gemeindevertretung. "Das war zwar nachweislich rechtens, aber durchaus provokant", sagt sie. Für die Initiative beginnt nach dem OVG-Urteil eine neue Zeitrechnung. Sie möchte einen Schritt auf die Eigentümer zugehen, bietet ihre Hilfe an, sei es bei Baumneupflanzungen, beim Bau von Nistkästen oder Infotafeln zur Flora und Fauna. "Am 2. Mai feiern wir ab 19 Uhr ein Hoffest in der Tschaikowskistraße 1. Es wird Suppe, Bowle und ein wenig Musik geben", so Engelmann-Hübner.

Bürgermeister sieht Chance für Neuanfang / Waldspielplatz soll kommen

Bürgermeister Bernd Albers sieht im Gerichtsurteil die Chance zum Neuanfang für alle Beteiligten. "Es ist gut, dass nun Klarheit herrscht. Der Wald bleibt. Stahnsdorf sollte das Areal nun naturnah entwickeln", so Albers. Auf einem etwa 60 Meter langen und 15 Meter breiten, nicht mehr genutzten Stück der Friedensallee, soll ein Waldspielplatz entstehen, verrät der Bürgermeister. Möglichst wenig Metall und Kunststoff, dafür viel Holz - so soll der Spielplatz aussehen, an dessen Planung auch Einwohner teilhaben können. Planungskosten in Höhe von 20.000 Euro sind in 2014 eingeplant, weitere 80.000 Euro für den Bau des Platzes im Folgejahr.
In Einklang mit dem nun mit Rechtskraft versehenen GOP müssten die Eigentümer zunächst Neupflanzungen veranlassen, erläutert Bürgermeister Albers. Eine fachgerechte Waldbewirtschaftung sei nicht jedermanns Sache. "Wir sind nach wie vor bereit, in einen konstruktiven Dialog mit den Eigentümern zu treten", versichert der Bürgermeister.