"Gestraft, weil wir Busse selbst bezahlen"


Das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL) Brandenburg beharrt auf seinem Standpunkt, dass das derzeitige Schienennahverkehrsangebot in der Region TKS angemessen sei und ein Ausbau der S-Bahn-Strecke von Teltow nach Stahnsdorf nicht nötig sei. Auch die Antwort auf eine Nachfrage der Landtagsabgeordneten Marion Vogdt, die sich eine Kleine Parlamentarische Anfrage vom Mai 2014 bezog, blieb für die Region unbefriedigend. "Wesentliche Faktoren sind der Verkehrsbedarf, die Bevölkerungsdichte, die Pendlerbeziehungen, die räumliche Struktur und prognostizierte Entwicklung, die vorhandene infrastrukturelle Erschließung und das Verkehrsbedürfnis", heißt es in dem zweiseitigen Schreiben.

Das ist interessant, denn das Integrierte Verkehrsentwicklungskonzept TKS aus dem Jahr 2014 hatte exakt aus den zitierten Bereichen Eckdaten geliefert, die klar für eine weitere Stärkung des SPNV sprechen. Das Konzept verweist auf eine aktuell sehr hohe Belastung bzw. in absehbarer Zeit drohende Überlastung der regionalen Straßen. Die Gründe liegen als Zahlen auf dem Tisch:

  • fast 14.000 Ein- und Auspendler nach Berlin das ist fast jedes zweite Auto

  • hohe Motorisierung: Pkw-Dichte in Stahnsdorf liegt bei 565 je 1.000 Einwohner und damit deutlich über dem Schnitt in Berlin und Brandenburg

  • mit rund 720 Einwohner je Quadratkilometer in TKS extrem hohe Bevölkerungsdichte (Nachbar Kleinmachnow zählt sogar zu den 100 dichtestbesiedelten Gemeinden Deutschlands); zum Vergleich der Landesschnitt Brandenburg: ca. 83 Einwohner je Quadratkilometer


Bei der Argumentation des MIL wiederholt sich regelmäßig auch der Verweis auf die angemessene Versorgung der Region TKS durch das 2011 installierte Busnetz.

Dies kommentiert Bürgermeister Bernd Albers wie folgt:

"Dafür, dass wir uns alljährlich aus eigener Tasche einen verbesserten Busverkehr erkaufen, werden wir nun bestraft! Dies ist eine Ohrfeige für die Pendler in unserer 60.000 Einwohner zählenden Region. Auch wenn wir durch die Einführung des TKS-Netzes zweifelsohne Verbesserungen erfahren haben, kann nur eine Kombination aus straßen- und schienengebundenem ÖPNV die Probleme lösen, die wir auf unseren regionalen Straßen haben. Die Zahlen lügen nicht, doch während wie jüngst in Strausberg anderswo ganze Strecken bezahlt werden, fließt für den Ausbau der S-Bahn von Teltow nach Stahnsdorf kein Cent vom Land. Das ist ignorant und so kann es nicht weitergehen."

Hintergrund:

Stahnsdorf, Teltow und Kleinmachnow schlossen 2010 gemeinsam mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und dem kreiseigenen Verkehrsbetrieb Havelbus eine Verwaltungsvereinbarung, die für Verbesserungen im ÖPNV durch ein optimiertes Busangebot in der Region TKS sorgen sollte. Stahnsdorf zahlt 2014 ebenso wie seine beiden Nachbarkommunen rund 146.500 Euro für die Dienstleistung. Den Rest tragen der Kreis und die Beförderungsgesellschaft Havelbus.