Stahnsdorfer Protest gegen den Fluglärm
Die geplanten Abflugrouten des Flughafens Berlin Brandenburg International
Stahnsdorfer Protest gegen den Fluglärm
Bürgermeister Bernd Albers sprach auf der Demo am 20.11.2010 vor 8.500 Teilnehmern
Liebe Stahnsdorfer, Kleinmachnower, Teltower und Berliner, liebe Teilenehmer aus den anderen betroffenen Gemeinden, sehr geehrte Amtskollegen,
Wir, das sind 55.000 Menschen aus der Region Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf, haben in den letzen Jahrzehnten alles getan und Millionen investiert, um eine hohe Lebensqualität hier vor den Toren Berlins zu erschaffen. Dabei haben wir nichts geschenkt bekommen.
Und wir sind stolz darauf, dass unsere Kommunen deshalb heute zu den kinderreichsten in Deutschland zählen. Hier wachsen unsere Kinder und Enkelkinder heran - die Zukunft unseres Landes.
Das Leben in unserer Region ist davon geprägt, dass sich ein großer Teil dieses Lebens draußen abspielt, in tausenden privaten Gärten, an Flüssen und Seen, in Wald- und Flurstücken, auf Spiel- oder Sportplätzen, immer verbunden mit der Natur.
Unsere Kinder wuchsen bisher in einem sicheren und gesunden Umfeld auf.
Und wir werden uns all das, wofür wir alle hart gearbeitet haben, nicht von Dritten kaputt machen lassen, die unsere Region nicht kennen und denen sie nichts, aber auch gar nichts bedeutet!
Ich frage: Was sind alle unsere Mühen und Millioneninvestitionen, in unsere Schulen,
in die Kitas, in die Sporthallen und nicht zuletzt auch in den Erhalt unserer Natur noch wert, wenn der Fluglärm so laut ist, dass unsere Kinder nicht mehr richtig lernen können,
- was sind alle unsere Mühen und Investitionen noch wert,
wenn wir täglich die Schadstoffe von hunderten Flugzeugen einatmen müssen
- was sind alle unsere Mühen noch wert,
wenn wir die Natur nie wieder ohne Lärm genießen können?
- Was sind alle unsere Mühen noch wert,
wenn an einem heißen Sommertag ein vollbeladener Interkontinental-Jet oder ein A 380 über unserem neuen Stahnsdorfer Gymnasium – für das ich lange gekämpft habe - oder über unserer Zille-Schule, die wir gerade erweitern, nur in einer Höhe von 700 Metern überfolgen werden.
Wir werden deshalb Flugrouten, bei denen die Flugzeuge regelmäßig
in einer Höhe zwischen 1000 und 1500 Metern im 4-Minutentakt über unsere Köpfe dröhnen, nicht hinnehmen!
Wir 55.000 Bürger wohnen hier nicht zufällig. Wir alle haben auf die Angaben der Politik in den 15 Jahren zur Flughafenplanung vertraut. Bei der Planung durften wir Professionalität und Kompetenz erwarten, schließlich sollte BBI das bedeutendste Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands werden.
Wir alle hier haben uns nach der verbindlichen Landesentwicklungsplanung gerichtet. Diese sieht noch immer – spiegelbildlich zur Flughafenplanung für unsere Gemeinden, und die anderen Regionen im Süden von Berlin ausdrücklich vor, dass hier Zuzug und Besiedlung erfolgen soll.
Anders als in den ausgewiesenen Lärmgebieten am Flughafen, die gerade nicht wachsen sollten.
Allein, dass es überhaupt einen Routenvorschlag wie den vom 6. September 2010 geben konnte, hat unser Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit zutiefst erschüttert.
Ich rufe heute alle Stahnsdorfer, Kleinmachnower und Teltower auf, weiterhin mit vereinten Kräften zu kämpfen, denn:
nur gemeinsam sind wir stark, liebe Bürgerinnen und Bürger.
Die Deutsche Flugsicherung und das Luftverkehrsgesetz sagen, oberste Priorität muss die Sicherheit haben. Ich frage deshalb: Wie sicher sind Flugrouten, auf denen 400 Flüge täglich, obwohl es Alternativen gibt, in niedriger Höhe über dicht besiedeltes Gebiet fliegen werden?
Wie sicher sind die Routen im Hinblick auf die wachsende Terrorbedrohung gerade auch in Deutschland?
Wie kann man ernsthaft behaupten, das oberste Kriterium der Sicherheit wäre erfüllt,
wenn es der Flugsicherung erlaubt ist, hunderttausende Flüge jährlich über den Südwesten von Berlin zu lenken, in dessen Mitte sich ein Kernforschungsreaktor befindet?
Das ist nicht sicher, das ist ein grob fahrlässiger Umgang mit uns, dem Leben und der Gesundheit unserer Kinder und mit allem, was wir uns mühevoll erarbeitet haben.
Ich frage Sie: Wer kann dafür die Verantwortung übernehmen? Niemand kann das, und deshalb darf es solche Routen auch niemals geben!
Und deshalb werde ich natürlich alles in meiner Macht stehende tun, um zu verhindern, dass unsere Region und der Südwesten Berlin zur Abflug– und Anflugschneise wird.
Und vor allem wofür das ganze?
Trotz all unserer Bemühungen ist es bis heute niemanden gelungen, auch nur einen vernünftigen Grund dafür zu finden, warum die Routen über unsere Region führen sollen.
Sie sind nicht sicher, sie sind wirtschaftlich höchst fragwürdig, und sie sind von den Lärmwerten her eine Katastrophe, und wo wir gerade bei Lärm sind:
Für die Durchsetzung des strikten Nachtflugverbotes hat es die Landesregierung
unmittelbar in der Hand - sie ist die Planfeststellungsbehörde. Die Verpflichtung für ein Nachtflugverbot ergibt sich unmittelbar aus der falschen Standortwahl, aus der falschen Ermittlung der Betroffen und aus den erheblichen Fehlern bei der Planung und Kommunikation.
Ich fordere den Ministerpräsidenten auf: Erkennen Sie in dem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht die Notwendigkeit eines Nachtflugverbotes für die Landesregierung verbindlich an und sorgen so dafür, dass alle vom BBI betroffenen Brandenburger wenigstens nachts ruhig schlafen können. Setzen Sie ein Zeichen, dass Ihnen die Gesundheit der Brandenburger wichtiger ist, als die Profitinteressen der Airlines und des Flughafens.
Wichtig, wirklich wichtig, ist der Widerstand auf allen Ebenen. Der Protest darf nicht abreißen bis unser Ziel erreicht ist: „Dauerhaft, dass heißt auch noch in 5, 10 oder 20 Jahren - keine Flugzeuge, kein Fluglärm, keine Gefährdung und keine unnötigen Schadstoffe in unserer Region.“
Machen Sie mit! Melden Sie sich über die Internetseite fluglaermbbi bei den Bürgerinitiativen und arbeiten dort mit!
Natürlich bereiten auch wir Verwaltungen uns schon jetzt intensiv darauf vor, auch juristisch gegen Flugrouten vorzugehen, sollten diese über Stahnsdorf und unsere Region geführt werden.
Besser ist es aber, wenn wir über einen starken, lauten öffentlichen Druck erreichen,
dass verträgliche Flugrouten festgelegt werden – und das können nur Routen sein,
die gerade nicht über die 55.000 Menschen hier führen!
Wir haben klare Forderungen an die brandenburgische Landesregierung!
Wir fordern:verträgliche Flugrouten, die so wenig Menschen wie möglich mit Fluglärm belasten.Wir fordern:das Land Brandenburg auf, sich als Gesellschafter des Flughafens für neue verträgliche Flugrouten einzusetzen.Wir fordern:für alle zukünftig von Fluglärm und den Überflügen betroffenen Menschen ein striktes Nachtflugverbot von 22 bis 06.00 Uhr morgens.
Nehmen Sie sich, Herr Ministerpräsident, unserer Forderungen an, machen Sie Druck! Und die 55.000 Menschen aus dieser Region werden hinter Ihnen stehen!
So: Obwohl es für meinen Nachredner nicht einfach wird - bitte ich Sie:
Lassen Sie ihn zu Wort kommen, denn er beweist heute eins, er ist keiner, der kneift, wenn es darauf ankommt!
Und es kommt jetzt darauf an! Liebe Bürgerinnen und Bürger.
Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen und begrüße
(als meinen Nachredner)
den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg!
Ich sage: Willkommen im Leben, willkommen in Stahnsdorf - Matthias Platzeck.
Tel.: +49 (0) 3329 - 646 - 0, E-Mail: gemeinde@stahnsdorf.de
